Wikipedia braucht Reformen

Eine Welt ohne Wikipedia? Schwer vorstellbar…

Wikipedia ist zweifellos die mit Abstand beste und eine der seriösesten Informationsquellen im Netz. Über 80% der Deutschen nutzen Wikipedia regelmäßig. Ansehen, Glaubwürdigkeit und Vertrauen sind extrem hoch. Aus gutem Grund, denn Wikipedia ist nicht kommerziell korrumpiert, so wie nahezu alle anderen Angebote – insbesondere die sogenannten Sozialen Netzwerke.

Der Ton innerhalb von Wikipedia ist zunehmend unerfreulich; Rechte: WDR/Schieb

Der Ton innerhalb von Wikipedia ist zunehmend unerfreulich

Zu wenige Autoren und Redakteure

Aber auch Wikipedia hat so seine Probleme. 18 Jahre nach Idee und Entstehung zeichnen sich überdeutlich Schwierigkeiten ab. Vor allem durch den Mitgliederschwund – immer weniger Menschen machen aktiv mit, obwohl die Zahl der Artikel steigt. Dadurch entstehen Qualitätsprobleme. Beispiel: Wenn PR-Agenturen in Wikipedia etwas schönen, fällt das oft nicht auf – oder viel zu spät. Es fehlt an Manpower, um schnell zu reagieren. Updates zu liefern. 5.000 Artikel im deutschsprachigen Wikipedia sind als “veraltet” markiert.

Apropos Manpower: Auch der Frauenanteil ist nicht zeitgemäß. Lediglich neun Prozent der aktiven Wikipedianer sind Frauen. Das hat zwangsweise Folgen für das Angebot, das eher auf … … weiterlesen

Neues Pixel-Smartphone, neue Gadgets: Google macht sich unsichtbar

Vor dem Weihnachtsgeschäft bringen sich die Techkonzerne in Stellung. Gestern war Google an der Reihe: In New York stellte das Unternehmen sein Smartphone “Pixel 4” vor, neue Kopfhörer, ein neues Notebook, neue intelligente Lautsprecher und Router aus der Nest-Reihe sowie die Spieleplattform Stadia samt Controller, die am 19. November an den Start gehen soll.

Interessant dabei waren nicht allein die Produkte, sondern auch die Botschaften zwischen den Zeilen: Im Gegensatz zu den sterilen Produktvorstellungen von Apple präsentiert Google seine Neuheiten vor einem begrünten Holzregal. Ein Clip, der zwischendurch zu sehen ist, zeigt die abgeranzte Werkstätte des Hardware-Teams.

Videoplayer

Intelligente Lautsprecher – die Qual der Wahl

Inhaltlich räumt Google gefühlt sämtliche Themen der Debatte ab: hier eine Investition über 150 Millionen Dollar in regenerative Energien, dort ein intelligenter Lautsprecher mit Überzug aus recycelten Plastikflaschen, und immer wieder der Hinweis, dass einige Daten, die das neue Pixel-Smartphone aufzeichnet, das Gerät nicht mehr verlassen. Google – der nahbare Konzern, dem Nachhaltigkeit und Privatsphäre am Herzen liegen.

Am deutlichsten betont Google den Weg ins “Ambient Computing”: … … weiterlesen

Wenn der US-Präsident die Cloud ausknipst

Twitter wird US-Präsident Donald Trump wohl eher nicht abschalten (lassen). Denn wer könnte dann noch seine Tweets lesen?

Leichter fallen ihm Entscheidungen wie diese: Im August hat der US-Präsident die Exekutivanweisung 13884 unterzeichnet. Sie verbietet – zusammengefasst – jede Art von Transaktion und Dienstleistungen von US-Unternehmen mit Individuen aus Venezuela. Die Folge: Adobe knipst in Venezuela die Lichter aus.

Venezuela wird von der Adobe-Cloud ausgeschlossen

User aus Venezuela können ab 29. Oktober nicht mehr auf ihre in der Creative Cloud gespeicherten Fotos, Illustrationen, Skizzen, Videos oder Dokumente zugreifen. Darüber hinaus werden Adobe-Apps ihren Dienst versagen, da ihre Gültigkeitsdauer (in Abos) nicht mehr verlängert werden kann. Der komplette Kreativbereich in Venezuela wird damit ausgebremst. Weil Adobe sich an die Anordnungen aus Washington D.C. hält – was sollen sie auch sonst anderes machen.

Nicht das erste Mal, dass über die digitale Welt Handelsstreitigkeiten ausgefochten werden. Wir erinnern uns: Huawei-Smartphones dürfen von Google nicht mehr mit Software oder Updates versorgt werden. Auch das ist ein erheblicher Einschnitt – ohne jede Vorankündigung.

Diese Entwicklung macht ein erhebliches Problem deutlich: Wir alle sind viel zu abhängig von politischen Entscheidungen in den USA. Wir nutzen alle Android, iOS oder Windows. Wir verwenden Apps … … weiterlesen

Facebook Libra fast am Ende

Vor ein paar Wochen hätte man den Eindruck bekommen können, wir hätten eine neue Weltwährung: Facebook hat mit Libra eine Kryptowährung angekündigt, die überall auf der Welt zum Einsatz kommen soll. Vor allem auf Mobilgeräten, aber nicht nur dort. Doch das Projekt wird immer schwächer. Nun sind weitere große Partner ausgestiegen: Das Auktionsportal eBay, der Zahldienst Stripe und die Kreditkartengesellschaften Mastercard und Visa haben die Reißleine gezogen. Sie sind ausgestiegen, machen nicht mehr mit. Auch Paypal ist vor kurzem bei Libra ausgestiegen. Die Schar der Unterstützer schrumpft.

Immer mehr Partner verabschieden sich vom Projekt Libra; Rechte: WDR/Schieb

Immer mehr Partner verabschieden sich vom Projekt Libra

Gegenwind aus der Politik hat zum Umdenken geführt

Die Erfolgschancen für Facebooks Libra als ernstzunehmende Währung gehen damit gegen Null. Eine ungewohnte Erfahrung für erfolgsverwöhnte IT-Konzerne aus dem Silicon Valley, die sich daran gewöhnt sind, dass man sie einfach machen lässt. Normalerweise sieht die Weltgemeinschaft ungerührt zu, wie die Konzerne existierende Branchen zerstören, tradierte Machtgefüge verschieben und Umsatzströme nach Kalifornien holen – in der Regel … … weiterlesen

Live-Streams als tickende Zeitbomben

Wer ein öffentliches Radio- oder Fernsehprogramm ausstrahlen möchte, braucht dafür eine Lizenz. Nicht nur, weil damit bestimmte Frequenzen belegt werden – das auch, zumindest war das früher relevant -, sondern vor allem, weil auf diese Weise sehr viele Menschen erreicht werden. Unmittelbar. Live. Damit ist eine enorme Verantwortung verbunden. Es gibt also nun wirklich sehr gute Gründe, wieso nicht jeder einen Radio- oder Fernsehsender starten und betreiben darf. Und wenn, dann gehen damit eine Menge Verpflichtungen einher.

Auf Twitch werden Spiele gestreame - aber auch Gewalttaten; Rechte: WDR/Schieb

Auf Twitch werden Spiele gestreamt – aber auch Gewalttaten

Unhaltbar: Jeder kann jederzeit alles streamen

Heute ist das anders. Heute kann jeder einen Live-Stream auf Facebook, Youtube, Instagram, Twitter oder Twitch starten – und nicht nur jeden Unsinn daherreden, sondern auch hetzen oder terroristische Taten live übertragen. Das war bei den Anschlägen in Christchurch so. Und das war auch in Halle so. Auch aus Deutschland werden also mittlerweile Live-Streams in die Welt gejagt, die Gewalt und Terror zeigen.

Das wirft doch die Frage … … weiterlesen

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2019

“Facebook laufen die Nutzer weg.” “Drölfzig Prozent der Deutschen hören Podcasts!” “Vergesst Instagram! TikTok ist das neue Ding!” Wie viel ist eigentlich an diesen Schlagzeilen dran, die das ganze Jahr über die Runde machen? Wenn man es zuverlässig wissen möchte, schaut man in die ARD/ZDF-Onlinestudie. Heute ist die neue Ausgabe erschienen, und das hier sind ein paar der wichtigsten Ergebnisse:

Erstens: Es gibt in den Zahlen keine großen Sprünge mehr. Rund 90 Prozent der Deutschen nutzen das Internet – so wie im vergangenen Jahr. Da scheint es nicht mehr viel Luft nach oben zu geben. Die tägliche Nutzung steigt zwar leicht: 71 Prozent der Befragten waren an einem normalen Tag online. Sie haben das Internet aber kürzer genutzt: 182 Minuten lang – im vergangenen Jahr waren es noch 196 Minuten.

Zweitens: Nur jeder Zehnte hat die “Wanze im Wohnzimmer”. Smartspeaker sind ein großes Thema in der Debatte, und tatsächlich hat jeder dritte Deutsche auch schon einmal Sprachassistenten genutzt. Die meisten Menschen tun das aber übers Smartphone und nutzen in den meisten Fällen den Siri-Sprachassisten auf dem iPhone. Einen smarten Lautsprecher besitzen nur zehn Prozent der Deutschen.

ARD/ZDF-Onlinestudie… weiterlesen

Ist Verschlüsselung ein Grundrecht?

Früher war es eine positive Eigenheit von Threema, Signal, Telegram und Co., dass hier alle ausgetauschten Nachrichten konsequent Ende-zu-Ende-verschlüsselt wurden. Heute ist das auch bei WhatsApp Standard.

Facebook hat angekündigt, die Verschlüsselung sogar weiter auszubauen – und auch im Facebook Messenger und bei Instagram zu installieren. Eine gute Nachricht für alle, die sich beim Nachrichtenaustausch nicht gerne über die Schulter schauen lassen. Denn Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bedeutet: Hier können selbst die Anbieter nicht schnüffeln. Auch Facebook nicht.

Verschlüsselung sollte ein Grundrecht sein; Rechte: WDR/Schieb

Verschlüsselung sollte ein Grundrecht sein

Staaten fordern Zugriff auf Kommunikation

Die USA, Großbritannien und Australien fordern aber nun erneut eine Hintertür in der Verschlüsselung. Ganz offiziell. Mit dem Argument, Behörden wie Polizei und Geheimdienste müssten in bestimmten Fällen Zugang zur Kommunikation haben. Etwa, um Kinder vor Gewalt und sexuellem Missbrauch zu schützen. Auch deutsche Innenminister fordern das immer wieder.

Ein perfider Trick, denn wer wollte da “Nein!” sagen, wenn es darum geht, Kinder vor Gewalt zu schützen. Oder Kinderporno-Ringe aufzudecken.

Natürlich ist es ein enormes Problem für Polizei und Behörden, wenn Kommunikation kinderleicht und … … weiterlesen

Amazon will Gesichtserkennung regulieren

Amazon nur ein Onlineshop? Von wegen. Jeff Bezos’ Konzern streckt seine Tentakeln in alle Richtungen aus. Dass Amazon über eine eigene KI-Software zur Gesichtserkennung verfügt, weiß kaum jemand: AWS Recognition heißt der Dienst.

Jeder kann den Service bei Amazon buchen. Als Cloud-Lösung – für wenige Euro im Monat. Wer das System mit Fotos füttert, kann von der KI-Software im Blitztempo Gesichter in Fotoaufnahmen oder sogar Videos erkennen (lassen). Recognition funktioniert tadellos: Ich habe es ausprobiert. Sie erkennt Gesichter, schätzt das Alter, verrät ob die Person auf dem Foto lächelt oder glücklich ist – und vieles mehr. Die KI-Software für die eigenen Zwecke zu nutzen, ist vergleichsweise einfach.

Jeff Bezos hat gut Lachen: Unternehmen schreibt eigene Regulierung für Gesichtserkennung; Rechte: Amazon/WDR/Schieb

Jeff Bezos hat gut Lachen: Das Unternehmen schreibt eigene Regulierung für Gesichtserkennung

Auch Amazon kann nach Gesichtern suchen

Das Beispiel zeigt, wie einfach es heute ist, nach Gesichtern zu suchen. Die entsprechenden Funktionen liegen in der Cloud bereit – für vergleichsweise kleines Geld. Einige Polizeibehörden in den USA … … weiterlesen

Soziale Netzwerke müssen aktiv nach Beleidigungen suchen

Während das Berliner Landgericht vor wenigen Tagen durch ein Urteil aufgefallen ist, das jeden vernünftig denkenden Menschen kopfschüttelnd zurück und jeden Anstand vermissen lässt, hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) heute (03.10.2019) hingegen eine äußerst intelligente Entscheidung gefällt: Soziale Netzwerke müssen aktiv nach wortgleichen und ähnlichen rechtswidrigen Beleidigungen suchen – und im Zweifel weltweit löschen -wenn ihnen davon Mitteilung gemacht wird.

EuGH verpflichtet Soziale Netzwerke, aktiv nach Beleidigungen zu suchen

Berliner Gericht urteilt verrückt – EuGH vernünftig

Wer soll das noch verstehen? Die Richterinnen und Richter des Berliner Landgerichts haben vor wenigen Tagen entschieden, dass sich die Grünen-Politikerin Renate Künast unfassbare Unverschämtheiten und Entgleisungen in den Sozialen Netzwerken gefallen lassen muss. Ganz so, als ob der gesellschaftliche Trend für immer weniger Respekt und Anstand (vor allem im Netz) als Standard hingenommen werden müsste. Ein Urteil, das Fassungslosigkeit hinterlässt und den Glauben am Rechtsstaat untergräbt.

Die Luxemburger Richter hingegen haben – in einem durchaus vergleichbaren Fall – ein völlig anderes Urteil gefällt, das ohne Weiteres mit dem gesunden Menschenverstand in Einklang zu bringen ist. Die … … weiterlesen

Hack, Hack – Daten weg!

Wir leben in einer zunehmend vernetzten Welt. Die Smartwatch spricht mit dem Smartphone. Die Personenwaage mit beiden. In der Wohnung stehen Assistenten, die wiederum ständig mit der Cloud in Verbindung stehen. Das Auto ist mit CarPlay ausgerüstet. Im Büro ist sowieso alles vernetzt. Und von der Smart City wollen wir gar nicht reden…

Uns werden gewöhnlich vor allem die Vorteile der Vernetzung präsentiert. Welche Nachteile damit verbunden sind, fällt bei den anpreisenden Herstellern unter dem Tisch.

Klaus Rodewig warnt vor den wachsenden Herausforderungen; Rechte: WDR/Schieb

Klaus Rodewig warnt vor den wachsenden Herausforderungen

Wir werden immer angreifbarer

Ein klarer Nachteil: Wir werden immer leichter angreifbar, Hacker leben im Schlaraffenland. Überall Computersysteme, in die sie einbrechen können. Jedes noch so kleine Gerät, das mit dem Internet verbunden ist, stellt für Hacker eine Chance dar. Denn Sicherheitslücken und Fehler gibt es überall – und je mehr Geräte, desto mehr Chancen. Dieses Risiko sieht auch Klaus Rodewig. Ein ausgewiesener Sicherheitsexperte, der uns im neuen Cosmotech-Podcast erklärt, wie Hacker eigentlich arbeiten – und wie sie denken.

“Hacker sind … … weiterlesen

EuGH: Cookies nur bei ausdrücklicher Zustimmung

Cookies sind zwar unsichtbar – aber eine große Sache. Jetzt hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) klar gestellt, dass Nutzern keine Cookies untergejubelt werden dürfen. Betreiber von Webseiten oder Apps dürfen auch nicht einfach so die Zustimmung voraussetzen. Cookies sind in Europa nur dann erlaubt, wenn der Nutzer ausdrücklich der Verwendung zustimmt.

Wenn Web-Anbieter beim Ansteuern einer Webseite auf dem PC oder Mobilgerät des Besuchers Daten speichern wollen, ist von “Cookies” die Rede. In den Dateien steht meist nicht viel. Zum Beispiel die Kundennummer. Oder andere Hinweise, die ein Wiedererkennen des Besuchers möglich machen, wenn er (oder sie) wieder vorbeikommt. Dann muss man sich nicht erneut einloggen. Der Warenkorb bleibt offen. Cookies bieten durchaus eine Menge Vorteile.

Es ist eine eindeutige Zustimmung bei Cookies erforderlich; Rechte: WDR/Schieb

Es ist eine eindeutige Zustimmung bei Cookies erforderlich

Einfach nicht zu widersprechen reicht nicht

Sie können aber auch genutzt werden – vor allem in Werbenetzwerken -, um Benutzer auszuspionieren. Das ist nicht automatisch das Wesen von Cookies – aber ein möglicher Fall des Missbrauchs. Deshalb gilt seit … … weiterlesen

Nintendo macht sein Image mit “Mario Kart Tour” kaputt

Nintendo hat ein neues Smartphone-Game für iOS und Android veröffentlicht: “Mario Kart Tour”. Und mit diesem Game setzt der Konzern seinen guten Ruf ganz gewaltig aufs Spiel. Denn das neue Mario ist ein Free-to-Play-Titel mit fragwürdigen Finanzierungsmethoden.

Es gibt viele Gelegenheiten, im Spiel Geld auszugeben: Wer etwa eine bestimmte Spielfigur steuern möchte, muss sich eine Lootbox freischalten. Das kostet fünf Rubine, so heißt die Währung im Spiel. Und diese Rubine lassen sich für echtes Geld kaufen, drei für 2,30 Euro, 135 Rubine für 75 Euro.

Glücksspielelemente in Mario Kart Tour

Wer sich dann eine Lootbox für ein paar Euro gekauft hat, darf sich überraschen lassen: Ob wirklich die begehrte Spielfigur enthalten ist oder etwas völlig anderes, wissen Spielerinnen und Spieler erst, wenn sie das Geld ausgegeben haben. In Belgien sind solche Spielmechaniken bereits als illegales Glücksspiel verboten.

"Kings of Glory" auf einem Apple-Handy.
https://blog.wdr.de/digitalistan/wp-content/uploads/sites/2/2019/09/190930_f2p.mp3
Was tun Spieleentwickler gegen den Vorwürfe wie “illegales Glücksspiel”?

Zwar muss niemand Geld ausgeben, aber es gibt immer wieder starke Anreize dies zu tun. Obendrein in einem Spiel, das mit … … weiterlesen

Klick-Scham: Warum wir umdenken müssen

Das Internet: Für viele von uns ist es wie selbstverständlich vorhanden. Aber nur die wenigsten machen sich eine Vorstellung, welcher Aufwand betrieben werden muss – nicht nur personell, sondern vor allem technisch -, um ein reibungslos funktionierendes Internet anzubieten. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Das Smartphone hat keinen Auspuff oder Kamin. Die Rechenzenten sind weit weg. Saubere Sache also, diese Digitalisierung – oder?

Das Internet verbraucht eine Menge Energie; Rechte: WDR/Schieb

Das Internet verbraucht eine Menge Energie

So klimaschädlich wie der internationale Luftverkehr

Keineswegs. Internet und Digitalisierung sind ein erheblicher Faktor bei der Klimabelastung. Rund vier Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes gehen auf das Konto der Digitalisierung. So viel, wie der internationale Luftverkehr – also alles andere als Peanuts.

Eine alles andere als zu vernachlässigende Belastung also fürs Klima. Merkwürdig, dass niemand darüber spricht – und das in Zeiten, in der jede Plastiktüte kritisch beäugt wird, jeder Flug auf dem Prüfstand steht. Der Klimagipfel der Bundesregierung hat sich auch nicht mit dem Thema beschäftigt. Ein gigantischer Fehler, bedenkt man, dass sich der “Verbrauch” … … weiterlesen

Echo Buds: Kleiner Mann im Ohr

Es gibt technische Neuheiten, die wirken – losgelöst von der deprimierenden Wirklichkeit – erst einmal interessant,  ja sogar beeindruckend. Die neuen Echo Buds zum Beispiel, die Amazon jetzt auf einer Veranstaltung in Seattle neben vielen anderen Hardware-Neuheiten vorgestellt hat, gehören zweifellos dazu. Echo Buds sind kabellose Ohrhörer, die einen stundenlang unterwegs mit Musik versorgen. Oder mit Hörbüchern.

Alexa kann Echo-Bud-Nutzer ständig überwachen

Die schicken Ohrstöpsel verschwinden fast komplett im Ohr und bieten bewährte “Noise Reduction”-Technologie von Bose. Umgebungsgeräusche werden weitgehend ausgeblendet. Doch es gibt auch Gimmicks: Einmal auf den Stöpsel tippen und halten – schon kann der Echo-Bud-Träger mit dem Digitalen Assistenten in seinem Smartphone sprechen (Siri oder Google Assistant). Klingt alles nach einem schönen Nerd-Geschenk.

Doch die entscheidende Funktion ist die 24/7-Anbindung an Alexa. Diesen Aspekt muss man sich genauer anschauen, um die Tragweite zu erfassen. Auf Wunsch reagieren die Ohrstöpsel auf das vereinbarte Schlüsselwort (“Computer”, “Alexa”, “Echo”, “Amazon”) – und schon hört Alexa zu (und möglicherweise auch die Heerscharen von Abhörmitarbeitern). Kein schöner Gedanke: Wie wir wissen speichert Amazon nicht nur, was wir Alexa fragen und anvertrauen, sondern lässt es mitunter auch von echten Mitarbeitern abhören.

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Hallo, mich gibt es nicht: KI-Porträts

Wir Menschen sind Gemeinschaftswesen. Wir gucken lieber auf oder in ein Gesicht als nur auf ein Produkt. Deshalb funktioniert Werbung immer dann besonders gut, wenn Menschen darin zu sehen sind – ob im Foto oder Video.

Allerdings: Models sind teuer. Entsprechende Fotos kostspielig. Der Bedarf an Porträtfotos wird aber immer größer. Weil heute wirklich jeder im Internet Werbung machen will (oder muss), um Aufmerksamkeit zu bekommen – und dafür braucht es Köpfe.

Die KI-Gesichter können in Werbung oder Apps verwendet werden; Rechte: WDR/Schieb

Die KI-Gesichter können in Werbung oder Apps verwendet werden

100.ooo Fake-Porträts zum Nulltarif

Das Unternehmen Icons8 hat aus der Not eine Tugend gemacht. Auf dieser Webseite gibt es nun 100.000 Porträtfotos, die jeder lizenzfrei verwenden darf. Das Angebot ist riesig: alle Ethnien, beide Geschlechter, viele Altersgruppen. 100.000 Personen sind in der Datenbank enthalten. Alle Bilder sind gut ausgeleuchtet.

Allerdings: Es gibt keine einzige Person davon in Wirklichkeit. Alle Aufnahmen sind mit Hilfe von KI entstanden – und die aller meisten Ergebnisse sehen verblüffend echt aus. Es gibt nur … … weiterlesen

Das Recht auf Vergessenwerden gilt nicht weltweit – zum Glück!

Google muss Links zu heiklen persönlichen Informationen nicht weltweit unterdrücken – sondern nur innerhalb der Europäischen Union. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Die Richter haben damit dem “Recht auf Vergessenwerden”, das sie mit einem Urteil von 2014 selbst geschaffen hatten, Grenzen gesetzt – und das ist gut so.

Grund für das Urteil ist eine Klage der französischen Datenschutzbehörde, nachdem sich Google geweigert hatte, Links aus allen Länderversionen weltweit zu entfernen. Laut dem Europäischen Gerichtshof muss Google zwar dafür sorgen, dass Nutzer nicht einfach google.com oder eine andere Länderversion außerhalb der EU nutzen können, um auf eigentlich unterdrückte Informationen zu stoßen. Außerhalb der EU und weltweit lasse sich das “Recht auf Vergessenwerden” aber nicht anwenden.

Eine gute Entscheidung! Denn der Wunsch, Inhalte zu unterdrücken, entsteht ja nicht nur in Ländern mit rechtsstaatlichen Prinzipien. Wie fänden wir es, würden Länder wie China oder Russland Einfluss darauf nehmen, was wir in unseren Suchergebnissen finden? Eine Entscheidung, das “Recht auf Vergessenwerden” weltweit anzuwenden, wäre eine Einladung vor allem an autoritäre Staaten gewesen.

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Maßnahmen gegen die Techwerfgesellschaft

Mit der Diskussion um Klimakrise, Nachhaltigkeit und unser Verhalten im Alltag geht es nun auch um Vorschläge, was Technik angeht. Der neueste stammt vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungsunternehmen. Dessen Präsident Peter Kurth schlägt im Gespräch mit der Welt am Sonntag 50 Euro Pfand für Lithium-Ionen-Akkus vor.

Es geht dabei um größere Akkus, nämlich solche mit einer Energiedichte ab 9 Volt. Damit wären zum Beispiel E-Bikes und E-Scooter betroffen, aber auch Mähroboter, Handstaubsauger oder Akkuschrauber. Für unsere Smartphones, von denen wir uns im Schnitt noch immer alle knapp zwei Jahre ein neues Gerät leisten, würde eine solche Pfandregelung nicht gelten – bei ihren Akkus liegt die Spannung deutlich unter 9 Volt.

Dem BDE geht es bei seinem Vorschlag zwar nicht allein um Klima und Nachhaltigkeit, sondern auch um Brände, die zuletzt in Mülllastern, Betriebshöfen und Sortieranlagen durch Akkus ausgelöst wurden. Trotzdem habe ich Sympathien für das Argument für ganze 50 Euro Pfand – die ja teurer wären als so manche neuen Geräte: “Wir wollen ja mit Absicht eine spürbare Wirkung erzielen. Es muss weh tun, bei der Entsorgung auf das Pfand zu verzichten.” Und ich frage mich: Warum dann nicht auch für Smartphones?

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Apple will mehr vom riesigen Games-Kuchen haben

Jetzt macht also auch noch Apple Computerspiele. Wer das neue Betriebssystem iOS 13 nutzt, entdeckt Apple Arcade im App Store. Für rund fünf Euro monatlich bekommen die User im Moment circa 60 Games. Ohne weitere Kosten, ohne Werbung. Bisher gibt es Arcade nur fürs iPhone, andere Apple-Geräte sollen am 30. September folgen.

Für Apple ist das eine große Sache. Das zeigt schon das neue Layout des App-Stores: Apple Arcade reiht sich dort als neue Hauptkategorie neben “Heute”, “Spiele”, “Apps” und “Suchen” ein, die “Updates” verstecken sich fortan im User-Profil. Ansonsten funktionieren die angebotenen Programme exakt so wie alle anderen Apps auf Apple-Geräten: laden und losspielen.

Es gibt schon so viele Spiele

Wenn es allerdings an einem keinen Mangel gibt, dann sind es: kostenfreie Spiele fürs Handy oder fürs Tablet. Der App-Store ist hoffnungslos überfrachtet mit kleinen, großen, guten und sehr schlechten Spielen. Das ist kein Apple-Phänomen: Auch der Google Playstore und so ziemlich jeder andere Shop für digitale Spiele erstickt an einer Flut von Games.

Genau dieses selbst geschaffene Chaos ist Apples Chance. Ein kuratiertes Angebot mit dem Ziel: Ein Spiel mit dem Label Apple Arcade ist kein Schrott. Denn hier müssen die Entwickler nicht circa … … weiterlesen

Jugendliche: Langweilig ohne Internet

2,4 Stunden pro Tag – im Durchschnitt. So viel Zeit verbringen laut einer aktuellen Studie des Hamburger Leibniz-Instituts für Medienforschung Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 17 Jahren täglichen im Internet. Die Älteren mehr als die Jüngeren. Am Wochenende sogar bis zu vier Stunden.

Dazu wurden 1.044 Kinder und Jugendliche befragt – und jeweils ein Elternteil. Eine wichtige Tatsache, denn ohne die Eltern zu befragen, wären womöglich ganz andere Zeiten dabei herausgekommen. Nun stellt sich natürlich die Frage: Ist das viel – oder ist das OK?

Kids lernen programmieren an der Coding-Schule; Rechte: WDR/Schieb

Kinder lernen an der Coding-Schule programmieren 

Eltern verlieren jede Kontrolle

Ich finde das erst mal ganz schön viel. Aber die entscheidende Frage ist natürlich erst mal: Was wird in der Zeit gemacht? “Hausaufgaben”, sagen die Kinder gerne. Aber es darf bezweifelt werden, dass 50% der Onlinezeit Wikipedia genutzt wird.

Man darf trotzdem Onlinezeit nicht mit – sagen wir – Fernsehzeit gleichsetzen. Fernsehen ist Konsum. Passiv. Onlinezeit kann aber auch aktiv sein. Kommunikativ. Zweifellos nicht die beste Methode, aktiv zu sein und kommunikativ … … weiterlesen

Deutschland soll Blockchain-Musterland werden

Deutschland ist bislang weit davon entfernt, ein Digital-Musterland zu sein. “Neuland”-Haltung in der Politik. Eine völlig unzureichende Mobilfunkabdeckung und unterdurchschnittliche Onlineversorgung. Die IT-Forschung chronisch unterfinanziert.

Und nun das: Die Bundesregierung setzt voll auf die Blockchain. Plötzlich sollen digital verkettete Informationsblöcke – etwas anderes ist die Blockchain nicht – in verschiedenen Bereichen das Papier ersetzen. Deutschland soll damit Blockchain-Musterland werden.

Blockschain: Verkettete Datenblöcke; Rechte: WDR/Schieb

Blockchain: Verkettete Datenblöcke, die nicht manipuliert werden können

Erst digitale Schuldscheine – später auch Aktien

In diesem Konzept stecken durchaus Chancen – für uns alle. Denn die Blockchain ist eine äußerst interessante Technologie. Wer sie verstehen will, muss allerdings umdenken. Denn die Mechanismen und die Funktionsweise sind anders als bisher. Daten sind nicht zentral in einer Datenbank gespeichert, sondern auf ganz vielen gleichzeitig. Alles sicher verschlüsselt und verkettet. Eine Transaktion nachträglich verändern oder manipulieren? Ist nicht!

Konsequent eingesetzt, würde die Blockchain vieles einfacher, transparenter und sicherer machen. Deshalb ist es zu begrüßen, dass die Bundesregierung den Weg frei macht für diese neue Technologie. Erst mal im Bereich der Schuldverschreibungen, später auch bei Unternehmensanteilen … … weiterlesen

TikTok: Schöne Welt ganz ohne HongKongProtests

Wer nach dem Hashtag #Hongkong oder gar #Hongkongprotests in Twitter sucht, wird überflutet mit Tweets, Fotos und Videos – viele davon zeigen brutale Übergriffe der Polizei. Seit Wochen demonstrieren tausende Menschen in Hongkong für Demokratie und Meinungsfreiheit. Die Chinesische Regierung will in der ehemaligen britischen Kronkolonie Protest und Widerstand niederschlagen. Im wahrsten Wortsinne.

Hongkong-Proteste auf Twitter; Rechte: WDR/Schieb

Hongkong-Proteste auf Twitter

Zensur bei TikTok

Die chinesische Regierung – die sich gerne als weltoffen geriert, das aber ganz sicher nicht ist – versucht mit allen Mitteln, die Medien zu steuern. Das Internet ist in China ohnehin streng kontrolliert. China versucht sogar, über Soziale Medien wie YouTube die Weltöffentlichkeit zu täuschen. Über Fake-Accounts auf Facebook und Twitter wurde gezielt gegen die Protestler agitiert. Das ist aufgefallen – viele der Postings wurden entfernt.

Und wie ist es bei TikTok? Dieser vor allem bei Jugendlichen so populären Video-App, die früher als musical.ly bekannt war?

Ich habe nachgeschaut: Es gibt ziemlich genau einen Eintrag zum Thema “Proteste in Hongkong”. Einen! Und das, obwohl die App aus China kommt. Oder besser: Weil… weiterlesen

Wer will ein Facebook ohne Likes?

Sind wir doch mal ehrlich: Facebook, Instagram und andere soziale Medien haben verschiedene Aufgaben – und durchaus auch Stärken. Eine ist zweifellos, dass wir mit Menschen in Kontakt treten (oder bleiben können), die weit weg sind. Auch alte Schulkameraden können sich melden, wenn sie Lust haben. Oder Menschen, die das Potenzial für echte Freundschaften haben. Kommt alles vor – macht aber nicht den Großteil der Aktivitäten bei Facebook oder Instagram aus. Die aller meisten Aktivitäten auf Facebook und Co. dienen einem simpleren Zweck: Bestätigung.

Es wird viel geschummelt auf Instagram und Co.; Rechte: WDR/Schieb

Es wird viel geschummelt auf Instagram und Co.

Bestätigung aus dem Netzwerk

Wir alle ziehen auch Bestätigung aus den Netzwerken. Wir postem Fotos mit einem Thermometer: Oh Du Arme(r) bist krank – werde bitte schnell wieder gesund. Fotos aus dem Kurzurlaub: Oh das sieht es aber toll aus – viel Spaß im Traumanien. Oder zeigen, was gerade auf den Tisch gestellt wurde: Oh, wie lecker – guten Appetit. Und so weiter.

Bestätigung ist ein Lebenselixier – und die sozialen … … weiterlesen