Forderungen nach Recht auf Home-Office: Zeit für dauerhafte technische Lösungen

Home-Office ja oder nein? Bis vor einem Jahr drehte sich diese Diskussion vor allem um „weiche“ Faktoren – etwa um persönlichen Komfort, allgemeine Fragen der Menschenführung aus der Distanz oder Sozialkontakte unter Kollegen. Sowohl Befürworter als auch Gegner konnten dabei schlüssige Argumente ins Feld führen; insgesamt bewegte sich das Thema Heimarbeit jedoch auf einem evolutionären Pfad, stiegen die Zahlen nur allmählich.

Heute indes, nur zwölf Monate später, hat sich das Blatt völlig gewendet. Fast alles dreht sich um einen einzigen „Hard Fact“: Wer von zuhause aus arbeiten minimiert die persönlichen Kontakte im beruflichen Umfeld und damit das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren oder andere anzustecken. Heimarbeit ist ein wichtiger Schlüssel zur Pandemiebekämpfung. Demgegenüber traten andere Aspekte weitestgehend in den Hintergrund.

Home-Office: Recht oder Pflicht

Die Debatte um das Home-Office nahm damit aber erst richtig Fahrt auf. Bislang ist es weitestgehend eine freiwillige Maßnahme. Laut den aktuellen Zahlen des Branchenverbandes Bitkom arbeiten derzeit nur ein Viertel der deutschen Arbeitnehmer dauerhaft zuhause, weitere 20 Prozent tun es teilweise. Selbst wenn jene Berufe ausgeklammert werden, die schlicht nicht in Heimarbeit erledigt werden können, ist damit noch viel Luft nach oben.

Sollten Unternehmen also verpflichtet sein, Heimarbeit zu ermöglichen? Haben Arbeitnehmer ein Recht auf Home-Office? Und wie weit können sie gezwungen werden zuhause zu bleiben, auch wenn sie – trotz Pandemie – lieber ins Büro kämen?

Einige der aktuellen Stimmen:

  • Auf Seiten der regierenden Politik sind es vor allem Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), die das Thema Home-Office aktuell forcieren. „Der dringende Aufruf ist es, wo immer es geht, das [Home-Office] jetzt zu ermöglichen“ lautet die Aussage Heils gegenüber dem NDR. Zwar scheiterte im November ein geplanter Gesetzesentwurf, der einen Rechtsanspruch gewährleisten sollte. Die scharfen Worte vor allem des Arbeitsministers zeigen jedoch deutlich, dass er bei diesem Thema nicht aufgeben wird.
  • Aufseiten der politischen Opposition schlagen derzeit die Grünen noch deutlichere Töne an. Karin Göring-Eckard: „Wir brauchen eine Corona-Arbeitsschutzverordnung, die Unternehmen verpflichtet, überall dort, wo es möglich ist, Homeoffice jetzt auch anzubieten.“ Weiter verstärkt werden die Worte der Grünen-Fraktionsvorsitzenden durch die Forderung, uneinsichtigen Arbeitgebern nötigenfalls „mit Bußgeldern Druck“ zu machen.
  • Auf Seiten der Arbeitnehmerverbände trommelt derzeit der DGB mit einer glasklaren Forderung: „Wir fordern einen Rechtsanspruch auf Homeoffice – jedenfalls da, wo es machbar istverlangte DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann und schloss damit die Lücke zum ursprünglichen Gesetzentwurf im Bundestag. Dieser war vor allem daran gescheitert, weil sich die große Koalition nicht auf eine für beide Parteien zufriedenstellende Anzahl von Tagen einigen konnte, an denen Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf Heimarbeit gehabt hätten.

Die Forderung nach noch mehr Home-Office (zumindest bis zur Eindämmung der Pandemie) sind also laut und zahlreich. Und viele sehen auch die Chance, die Option zur Heimarbeit für die Zeit nach COVID-19 zu stärken.

Die Technik muss stimmen, sonst funktioniert es nicht

Damit die Arbeit aus dem Home-Office funktioniert, muss allerdings auch die Technik stimmen. Sowohl in den Betrieben wie auf Seiten derjenigen, die ihren Beruf irgendwo zwischen Wohn- und Schlafzimmer ausüben. Im Folgenden wollen wir uns deshalb den technischen Anforderungen widmen.

1: Jeder benötigt einen Desktop PC

Seit Jahren ging, vor allem im Bereich der Privatanwender, der Trend weg vom „festen“ Rechner hin zu mobilen Geräten. Notebooks übernahmen den Markt, dazu Tablets oder Hybridgeräte wie das Surface Pro X. Für ein Home-Office nicht unbedingt optimal. Spätestens wenn aus den Forderungen nach mehr Home-Office tatsächlich Pflichten und Rechtsansprüche erwachsen, sollten Unternehmen überlegen, den klassischen Weg zu gehen. Denn:

  1. Desktop-Rechner lassen sich am einfachsten frei konfigurieren und bei Bedarf nachrüsten. Sie können leistungsmäßig für die geringe Kosten so zusammengestellt und upgegradet werden, wie es die aktuellen Anforderungen verlangen.
  2. Desktop-Rechner bringen durch ihre frei angeschlossenen Zusatzgeräte die mit Abstand besten ergonomischen Voraussetzungen hinsichtlich der Abstände und Höhen von Bildschirm(en) und Tastatur.
  3. Desktop-Rechner liefern in der Regel deutlich mehr Anschlussmöglichkeiten im Vergleich zu anderen Devices. Das ist auch deshalb so wichtig, weil im Home-Office viele Geräte, die im normalen Arbeitsumfeld zentral zur Verfügung stehen (etwa via Netzwerkanbindung) bei den einzelnen Mitarbeitern vorhanden sein müssen.

Letztendlich könnte das zu einem Aufblühen der Sparte der Small Formfactor PCs führen. Vielleicht nicht ganz so klein wie beispielsweise Intels NUC-Serie, aber höchstwahrscheinlich keine vollwertigen Tower-PCs.

2: Es muss ausreichende und sichere Storage-Lösungen geben

Heimarbeit stellt Unternehmen vor große Herausforderungen beim Thema Datensicherung und -Austausch. Zuhause fehlt vielen Mitarbeitern einfach die Infrastruktur (manchen vielleicht auch die Disziplin) für eine einheitliche und sichere Speicherung von Daten. Viele Firmen werden deshalb entsprechende Storage-Lösungen anbieten müssen.

Hier kommen letztendlich je nach Anforderungen drei Lösungen in Betracht: DAS, SAN und NAS. Sie sind deshalb so wichtig, weil auf diese Weise sichergestellt werden kann, dass die Mitarbeiter zwar auf alle Tools und Dokumente zugreifen können, diese aber dennoch zentralisiert im Unternehmen abgespeichert sind – was vor allem die Gefahr, dass womöglich hochsensible Daten auf den lokalen Rechnern abgelegt werden, dramatisch minimiert.

In Sachen Speicherplatz sollte dabei die Denkweise vorherrschen: Mehr ist besser. Auch wenn Mitarbeiter zuhause die gleiche Arbeit verrichten, haben die vergangenen Monate in vielen Firmen deutlich gezeigt, dass sich das Datenaufkommen gegenüber dem Normalbetrieb vervielfacht. Entsprechend angepasst (d.h. üppiger) sollten die Storage-Lösungen sein.

3: BYOD-Lösungen sollten auf ein absolutes Minimum reduziert werden

Je nach Art des Unternehmens gleich das gesamte Team in die Heimarbeit zu schicken, ist aufwendig und vor allem teuer – schon deshalb, weil es vielfach längst nicht ausreicht, jedem Mitarbeiter einfach die Hardware mitzugeben, vor der er im normalen Arbeitsalltag sitzt.

In den vergangenen Monaten hat sich deshalb in sehr vielen Häusern der BYOD-Kompromiss etabliert – Bring Your Own Device. Mitarbeiter nutzen eigene Telefone, eigene Büromöbel oder gleich die gesamte Hard- und Software aus ihrem Privatbesitz. Das ist schon in finanzieller und arbeitsrechtlicher Hinsicht ein schwieriges Pflaster.

Aus Sicht der Kompatibilität und Sicherheit ist es jedoch besonders problematisch. Es fängt schon grundlegend an: Ein Mitarbeiter nutzt Windows 10 Home, der andere Pro, ein Dritter arbeitet mit Mac oder Linux. Der eine Kollege druckt an seinem heimischen Tintenstrahldrucker, der andere hat sein Heimbüro vollständig papierlos gemacht. Und was die Nutzung von Virenschutzprogrammen, Browsern etc. anbelangt, sind die Möglichkeiten noch vielfältiger.

Einheitlichkeit ist dagegen die einzige saubere Vorgehensweise: Jeder Mitarbeiter sollte durch seinen Arbeitgeber mit allem Nötigen ausgestattet werden. Alternativ sollte es zumindest einen Katalog an bewilligten Elementen geben, die vom Arbeitgeber bezuschusst werden, außerhalb der Arbeitszeiten aber auch privat genutzt werden können.

Fazit

Es ist wahrscheinlich, dass das Home-Office bald auf eine feste rechtliche Grundlage gestellt wird. Zunächst vielleicht nur (oder hauptsächlich) zur Pandemie-Bekämpfung, aber es ist unwahrscheinlich, dass es danach einfach zurück zu „businessBusiness as usual“ geht. Das Home-Office als Alternative zum Büro ist gekommen, um zu bleiben. Unternehmer tun gut daran, so schnell wie möglich die Weichen zu stellen, um die nötige Technik für eine dauerhafte Lösung bereitzustellen.


Beitragsbild: Stock.adobe.com © lordn

 

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